Die österreichische und die englische Ausbildung steht nicht in Konkurrenz zu einander sondern ergänzt sich. Es gibt Unterschiede in den Schwerpunkten und dem Umfang. Hier stellt sich nicht die Frage ob ich das für einen Schein brauche, sondern wie weit möchte ich meinen Handlungsspielraum erweitern.

 

Je mehr Routine und Werkzeuge ich zur Verfügung habe, desto größer ist meine "Safety Margin" und desto weiter schiebe ich die Grenze zum Panic Mode, in den wir möglichst nie kommen wollen, nach oben.

 

RYA Yachtmaster Scheme

 

 Die englische Seefahrtsausbildung ist gleichbedeutend mit dem Ausbildungs-Schema der RYA (Royal Yachting Assosiation). Dabei werden Kurse vom blutigen Anfänger "Start Yachting" über "Competent Crew" bis hin zum Bootsführerschein "Day Skipper" angeboten.

 

Darüber hinaus gibt es die sogenannten "Certificates of Competence". Diese reihen sich von "RYA/MCA Yachtmaster Costal" über "RYA/MCA Yachtmaster Offshore" bis zum "RYA/MCA Yachtmaster Ocean". Ein CoC lässt sich darüber hinaus auch "commercial endorsen" - also mit ein paar Zusatzanforderungen zu einem kommerziellen Seefahrtsschein hochstufen.

 

Einer der auffälligsten Unterschiede zur deutschsprachigen Ausbildung ist, dass hier keine theoretischen Kurse oder Prüfungen verlangt werden. Segeln ist eine praktische Tätigkeit und kein akademisches Fach. Das ändert freilich nichts daran, dass man den Stoff beherrschen muss um ihn dann anwenden zu können. Auch Seefahrts-Erfahrung wird nicht penibel eingereicht, geprüft und archiviert. Der Grundsatz des Prüfers ist in etwas folgender: "Wenn du sagst du weißt ausreichend Viel und hast Erfahrung - dann zeig es mir". Unter uns, man merkt recht schnell ob ein Kandidat seine geforderten Seetage wirklich mit Schiffsführung oder der Beteiligung an selbiger verbracht hat, oder nur dabei war.

 

Natürlich gibt es die Theoriekurse, viele sogar. Aber wenn du eine deutschsprachige Ausbildung begonnen hast, dann wird für dich wohl eher der praktische Teil interessant werden.

 

Ein weiterer Unterschied ist, dass das Ausbildungssystem einheitlich gehalten und qualitätsgesichert ist. Über die Jahre wurden sowohl Inhalte an die laufende Entwicklung der Seefahrt (speziell der Technik) angepasst, als auch die didaktischen Methoden ständig verfeinert. RYA Trainingscenter benötigen zertifizierte Tainer. Dadurch ist sichergestellt, dass auch die Instruktoren sowohl fachlich als auch didaktisch ausgebildet sind und über ausrechend Erfahrung verfügen. Darüber hinaus ist sowohl das Trainingscenter als auch jeder Instructor an ein regelmäßiges Re-Zertifizierungs-Programm gebunden.  

 

RYA Dayskipper

 Wer schon etwas Segelerfahrung mitbringt, für den eignet sich dieser Kurs. Es wird keine theoretische Ausbildung oder Prüfung vorausgesetzt, allerdings gibt es einen Theoriekurs in welchem das notwendige Wissen vermittelt wird. Für komplette Neueinsteiger empfiehlt es sich allerdings schon, sich vorab damit zu beschäftigen. Das Ergebnis des Kurses, welcher im positiven Fall mit dem RYA Dayskipper abschließt, ist folgender: Der Instructor traut dir zu, ein Schiff eigenverantwortlich und sicher zu führen, tagsüber in ruhigen und bekannten Gewässern.

 

Der Stoff dieses 5-Tages Kurses ist entsprechend umfangreich und deckt mehr oder weniger alle Bereiche ab. Wir unterscheiden hier aber bei jedem Skill zwischen:

  • Knowledge of
  • Understands
  • Can

Das Wissen dazu wird im Rahmen dieses Kurses am Schiff vermittelt und durch permanentes Training vertieft.

RYA/MCA Yachtmaster Offshore

Streng genommen gibt es für diesen Schein keine Voraussetzungen, außer die geforderte praktische Vorerfahrung. Ohne dieser ist ein positives Ergebnis der Prüfung aber ohnehin illusorisch. 

  • 50 Bordtage (die Hälfte in Tidenrevieren)
  • 2500 Seemeilen (die Hälfte davon in Tidenrevieren)
  • 5 Passagen (60 Meilen kürzest mögliche Distanz zwischen Start und Ziel, 2 davon als Skipper)
  • SRC und 16 Std. Erste Hilfe

Die Prüfung selbst dauert zwischen 8 und 12 Stunden für einen Kandidaten, 5 bis 9 Stunden pro Kandidat bei mehreren Prüflingen, wobei nicht mehr als 2 Kandidaten innerhalb von 24 Stunden geprüft werden können. Innerhalb dieser Zeit bekommst du Aufgaben gestellt die du zu erledigen hast und Fragen über den gesamten Stoff lt. Syllabus. Folgende Aufgaben sind in der Regel enthalten:

 

Du bist Skipper. Bring uns von diesem Pontoon an eine Boje in folgendem Fluss. Wir wollen dort einen Tee trinken und dann wieder durch die Mündung Richtung Süden. Ach ja, wir sind ein Segelboot.

  • Was damit gemeint ist, ist folgendes: 
  • Ablegen unter Segel
  • Plane deine Route
  • Pilotage für Start und Zielort
  • Creweinweisung
  • Kurz die Passage überschlagen
  • Tide berechnen für jetzt und wenn du dort bist
  • Wann kannst du in den Fluss hinein (Flüsse haben gerne die seichteste Stelle bei der Mündung)?
  • Gibt es einen Transit um die Mündung sicher zu passieren?
  • Kannst du bei Strom im Fluss bis zur Boje aufkreuzen?
  • Wie fährst du die Boje unter Segeln bei Wind und Strömung an?
  • Crew-Einweisung zum Fangen der Boje
  • Wie lang hast du Zeit damit du noch aus dem Fluss hinauskommst?

Bei all dem achtet der Prüfer neben der hoffentlich erfolgreichen Durchführung auf 2 Dinge: Hast du jederzeit das Boot mit Mannschaft im Griff und weißt du zu jederzeit wo du dich gerade befindest und wie hast du das überprüft?

  • Eine Navigationsübung die es dir unmöglich macht mittels GPS zu navigieren (weil schlicht nicht praktikabel bzw. zu umständlich)
  • Blind-Navigation (finde in der Nacht bei Strom ein unbeleuchtetes, auf der Karte eingezeichnetes Objekt - ohne GPS)
  • Irgendwann während deiner Wachführung wird eine Boje über Bord gehen
  • Kurzes Gespräch über KVR oder andere Themen (Motor, Elektrik, Plotter)
  • Rechne mit einem Stresstest. Mitten in der Anfahrt zum Hafen beschließt der Prüfer, dass der Motor ausfällt.
  • Auch in der Zeit in der du Crew bist, mit Aufgaben zu rechnen bzw. ist auch diese Zeit Inhalt des Assessments. 

Um das zu meistern empfiehlt es sich die eine oder andere Woche Ausbildung einzuplanen. Auch nicht verkehrt ist es, sich vorab einen Theoriekurs zu buchen, allein schon um mit den englishen Begrifflichkeiten umgehen zu können. Natürlich ist dies auch im Selbststudium möglich oder in einer Kombination aus beidem. Die RYA bietet dazu eine Fülle von Material an - auch als E-Books.

 

RYA/MCA Yachtmaster Ocean

Der Yachtmaster Ocean bildet insofern eine Ausnahme, als dass er neben der Erfahrung auch den Yachtmaster Offshore als Voraussetzung bedingt. Ebenso ist hier eine Theorie-Prüfung notwendig, die man sinnvollerweise vorher erledigt.

 

Voraussetzungen sind folgende:

  • RYA/MCA Yachtmaster Offshore
  • Schriftlicher Test entsprechend SHOREBASE COURSE RYA/MCA Yachtmaster Ocean
  • Passage von 600 Meilen (kürzest mögliche Entfernung zwischen Start und Ziel) wobei
  • 200 Meilen mindestens 50 NM Abstand von kartographierten Objekten haben muss 
  • In dieser Strecke muss Koppel-Navigation mit Astro-Navigation berichtigt werden
  • Der Kandidat muss Skipper oder Wachführer sein und in Planung (Route, Wetter, Proviant, Ersatzeile, Techn. Checks) maßgeblich involviert gewesen sein.

Die Prüfung besteht aus einem mindesten 1 1/2 stündigen Einzelgespräch mit dem Prüfer in welchem folgende Inhalte Thema sind:

  • Überprüfung der während der Passage gemachten Astrofixe (hier ist kaum Toleranz gegeben - nimm sicherheitshalber 2 Fixe mit)
  • Fragen zur Törnplanung und Durchführung (Bewaffne dich mit Logbuch und Aufzeichnungen)
  • Sonstiges (Tatsächlich haben die meisten Prüfer eine Checkliste und warten, dass du im Smalltalk auf die wichtigen Punkte zu sprechen kommst. Hier stellt sich schnell heraus ob du verstanden hast, was die Knackpunkte einer solchen Passage sind)

Wenn du hierzu mehr wissen möchtest bietet die RYA auf ihrer Webseite jede Menge Informationen: rya.org.uk. Gerne kannst du dich auch an mich wenden, speziell wenn du an dieser Ausbildung interessiert bist. 

 

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