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Sicherheitstraining

Basic Safety Training Week bei Red Ensign in Cowes/UK

Allgemeines:

Im Rahmen einer Segelausbildung hören wir immer wieder von Sicherheits-ausrüstung wie Leuchtraketen, Rauchtöpfen, Feuerlöscher, Löschdecken und Rettungsinseln. Für die eine oder andere Prüfung muss man auch etwas mehr darüber wissen. Welche gibt es, wie viel wovon muss für das entsprechende Fahrtgebiet an Bord sein usw.

Tatsächlich verwenden müssen wir all diese Dinge hoffentlich nie. Wenn allerdings ein Notfall eintritt, dann ist es unstrittig, dass dies nicht der beste Zeitpunkt ist, um all das zum ersten Mal genauer zu betrachten.

Abhilfe schaffen sogenannte Sea Safety Trainings. Diese sind im eigenen Interesse sowieso zu empfehlen, zur Teilnahme an manchen Regatten werden diese zusätzlich vorgeschrieben. In Österreich gibt es derzeit zwei Anbieter die solch ein zertifiziertes „World Sailing Sicherheitstraining“ (vormals ISAF Training) durchführen. 

  • 2SAIL, Lead Instructor: Christian Kargl
  • Segelwelt, Lead Instructor: Andreas Hanakamp

Dieses Training dauert 2 Tage und bietet die Möglichkeit einiges der Sicherheitsausrüstung praktisch zu verwenden. Auch ein Training im Bad oder See ist enthalten wo jeder mal mit Ölzeug ins Wasser springt, seine Rettungsweste in Aktion erleben darf und anschließend damit in eine Rettungsinsel klettern soll. 

Ich persönlich habe diesen Kurs bei Segelwelt gemacht und war damals erstaunt wie uneinheitlich die roten Raketen zu bedienen sind – wie schwer es ist ein Stahlseil mit einem Bolzenschneider durch zu zwicken und auch die Bedienung eines Feuerlöschers oder einer Löschdecke war für mich neu. 

Eine weitere überraschende Erkenntnis war, dass eine 275N Rettungsweste zwar einen tollen Auftrieb hat, aber die Ohren zu quetscht und die Sicht soweit einschränkt, dass zum Einen die Orientierung sehr behindert wird, zum Anderen das Einsteigen in eine Rettungsinsel vom Wasser (was sowieso schon eine Herausforderung ist) fast unmöglich wird.

 

STCW Sea Safety Training

Wer in der maritimen Industrie arbeiten will, für den ist ein Sea Safety Training nach STCW vorgeschrieben (STCW = Standards of Training Certification and Watchkeeping for Seafarers). In Österreich gibt es diese Ausbildung derzeit nicht. Wenn man das Internet nach diesbezüglichen Trainings-Center durchsucht, so finden sich Ausbildungszentren in Rostock, in Amsterdam oder in England.

Nachdem ich meine gesamte professionelle Seefahrtsausbildung in England gemacht habe, war für mich die Entscheidung in den Solent so gehen, nahe liegend. In die engere Wahl fiel dabei die Warsash Superyacht Academy Southampton und Red Ensign Maritime Training in Cowes. 

Ich entschied mich für RedEnsign, größtenteils wegen des idyllischen Ortes Cowes und der praktischen Möglichkeit am firmeneigenen Schiff zu wohnen.

Der Unterschied zum „ISAF“ Training wird allein schon bei einem Blick auf das Programm offensichtlich. Der Kurs dauert eine Woche und besteht aus mehreren Modulen:

  • Personal Survival Techniques (STCW A-VI / 1-1)
  • Fire Prevention and Fire Fighting (STCW A-VI / 1-2)
  • Elementary First Aid (STCW A-VI/ 1-3)
  • Personal Safety and Social Responsibilities (STCW A- VI/1 – 4)
  • Proficiency in Security Awareness (STCW VI/6, paragraph 1 and Section A-VI/6, paragraph 4)

Je nach bisheriger Ausbildung ist der First Aid Teil eine Wiederholung, aber z.B. für den RYA Yachtmaster notwendig (die üblichen 16 Std. Erste-Hilfe-Kurse aus der Heimat nutzen hier leider nichts).

Besonderes Augenmerk wird auf Survival Techniques und Fire Fighting gelegt. Beide Module sind Praxistrainings. 

 

Survival Techniques: (1 Tag)

Nach keiner kurzen Einführung wird die Ausrüstung angelegt. Jeder bekommt ein wärmendes Fleece und darüber einen Trockenanzug. Die Füße stecken in Sportschuhen, Hände und Kopf bleiben ungeschützt. Dazu gibt es noch eine Feststoffweste – so wie sie auf den durchschnittlichen Arbeitsplätzen auf See Verwendung finden. Die super-handlichen Automatik-Westen gibt es in der Berufsschifffahrt kaum, die leistet sich nur der Yachtsportler. Kaum im Wasser ist der Unterschied aber ohnehin unerheblich.

Kurzes Briefing und schon geht es zur ersten Übung. Als Übungsgelände dient der River Medina der hier in Cowes in den Solent mündet. Vom Süßwasser merkt man nichts, die Flut drückt jede Menge Seewasser bis weit ins Landesinnere. Die Wassertemperatur beträgt so um die 10 Grad Celsius.

River Medina - Testgelände für Sea Survival Training
River Medina - Testgelände für Sea Survival Training

Zusehen gilt nicht – jeder muss bei jeder Übung alle Rollen selbst einmal aktiv ausgeführt haben. Rettungsinseln (die Tonnen die wie Wasserminen seitlich an den Schiffen hängen) müssen gesichert und von Hand ins Wasser befördert werden. Und schon sind die kühlen Temperaturen vergessen – allen ist warm geworden. Das ist gut so, denn nun geht es aus ca. 2-3 Meter Höhe mit einem beherzten Schritt ins Wasser. Mit Feststoffweste ist hier bereits einiges zu beachten, um sich nicht selbst zu verletzen. Den ersten Verweigerern des Sprunges wird erklärt, dass die maritime Kariere hier auch schon wieder enden kann. Also springen alle zukünftigen Schiffs-Köche, -Masseure, -Zimmermädchen, und natürliche auch Decksoffiziere ins Wasser. Wir verbringen mehr oder weniger den restlichen Tag mit Unterbrechungen im Wasser. Rettungsinseln müssen einzeln und in Gruppen bestiegen werden, 100 Meter Rückenschwimmen – alleine und in Gruppen, einfache Rettungsübungen, mal als Opfer, mal als Retter, das beklemmende Gefühl, wenn 20 Personen in eine Insel gepfercht sind muss eine gefühlte Ewigkeit ertragen werden. Abschluss ist dann noch Zeit im Wasser abzusitzen. In Summe muss wohl jeder um die 60 Min im Wasser gewesen sein. 

 

Erkenntnisse: Ein Trockenanzug hält nicht wirklich trocken. Sportschuhe saugen sich mit Wasser voll. Kalte Finger verweigern nach kurzer Zeit bereits den Dienst. Koordination und Kommunikation will geübt bzw. gedrillt werden – sonst geht es schief. Und: 10 Grad sind 10 Grad!

Muster Station der MS Sea Trident und Quartier für Kursteilnehmer
Muster Station der MS Sea Trident und Quartier für Kursteilnehmer

Fire Prevention and Fire Fighting (2 Tage)

Hier ist vorab etwas mehr Theorie erforderlich, die auch mit einem kurzen Test abgeschlossen wird. Welche Feuerlöscher gibt es, welche sind wofür besonders geeignet – bzw. nicht geeignet, usw. 

Danach noch ein ausführliches Briefing zu den nachfolgenden Praxisübungen, die uns die nächsten 1 1/2 Tage beschäftigen werden. Wie funktioniert das Atemschutzgerät, wie wird der Schlauch gehalten, wie wird das Ventil geöffnet – ohne dass einem die Düse ins Gesicht schlägt? Wie ertastet man Türen, wie sichert man sich und sein Team vor der Öffnung. All das ist eine mühsame Prozedur, die einstudiert werden will. Wir werden uns nachher in absoluter Dunkelheit und minimaler Kommunikationsmöglichkeit in 4-5er Teams durch mehrere Räume kämpfen müssen.

Zuerst geht es auf ein Übungsschiff. Wir lernen wo der Fireplan zu finden ist und wie wichtig es ist, dass sich jeder in der Liste ein- und austragt, um zu wissen wer im Notfall gesucht werden muss. 

Nachdem jeder von uns Schläuche aus- und eingerollt hat, Kupplungen verwendet und die verschiedensten Löschübungen am Schiff durchgeführt hat (wir haben das Schiff etwas unter Wasser gesetzt) geht es zum Highlight dieser Übung: dem Firefighting Test-Center.

 

Aus mehreren Containern wurde ein mehrstöckiger Bereich geschaffen, mit vielen Schotten, Treppen und Hindernissen wie beispielsweise in einem Maschinenraum oder einer Messe. Erster Teil der Übung ist es sich in der Gruppe durch das Areal zu bewegen. Werden Casualities gefunden gilt es zu entscheiden ob geborgen oder weitergesucht wird - je nach Zustand des Opfers. (Grundregel: ist der Kopf noch am Rumpf, wird geborgen). Regelmäßige „gauge checks“ müssen ebenfalls durchgeführt werden, um einen Überblick über die Luftvorräte des eigenen Teams zu haben. 

Der Umgang mit der Ausrüstung muss gelernt sein, aber auch die körperlich ansträngende Arbeit in völliger Dunkelheit ist gewöhnungsbedürftig. Mein Team fand eine Leiche und letztlich in einer Koje im oberen Stock doch noch eine ca. 90 kg schwere Puppe die wir retten durften. Das brachte uns an die Grenzen unseres Luftvorrates. Kurz vor Erreichen der Safety Margine waren wir wohlbehalten wieder draußen.

Beim nächsten Einsatz ging es mit Löschschlauch durch das stockfinstere Gelände auf der Suche nach dem Brand. Aufgrund der starken Rauchentwicklung waren auch Lampen nur wenig hilfreich. Beim Feuer (natürlich im letzten Raum) angekommen gab es noch eine kleine Prüfung. Jeder musste (was mit Atemmaske und Druckluft-Geräuschen gar nicht einfach ist) ein paar grundsätzliche Fragen zur bevorstehenden Lösch-Aktion beantworten. Zu dem Zeitpunkt waren wir alle dankbar, dass es „nur“ ein paar Hundert Grad hatte und unsere Schutzkleidung bis 1200 Grad geprüft ist. Doch nach den ersten Lösch-Stößen in den Brandherd stieg Temperatur und Druck aufgrund des explodierenden Wassers noch einmal erschreckend an. 

Der dann folgende Rückweg inkl. handling des Schlauches war nicht minder anstrengend.

Ausgebrannter Übungsraum
Ausgebrannter Übungsraum

Abschließend:

Der gesamte Kurs dauert 5 Tage, jeder Teil schließt mit einer kleinen Prüfung ab. Alle Teile haben praktische Übungen. Der "Badeausflug" und die Brandbekämpfung sind sicher die interessantesten Teile aber auch körperlich die forderndsten. Die Englischkenntnisse sollten ausreichend hoch sein, um dem Vortrag zu folgen, aber auch um Anweisungen zu verstehen, Anweisungen zu geben und natürlich letztlich auch um den schriftlichen Test machen zu können. Da der Kurs über mehrere Tage geht, sollte ein Quartier eingeplant werden. RedEnsign bietet hier die Möglichkeit am Schiff direkt am Gelände zu wohnen. Dies erleichtert den täglichen Ablauf deutlich. Schlussendlich sei angemerkt, dass dieses Training alle 5 Jahre re-zertifiziert werden muss. 

 

Hier gibt’s noch ein paar Fotos des Veranstalters.

 

Wer Fragen zum STCW Training oder zum Commercial Endorsements von englischen Seefahrtsscheinen hat, der kann sich gerne an mich wenden.